Abschied von Dr. Johannes Correll

Im Folgenden leiten wir Euch einen besonderen Brief von unserem langjährigen Schirmherren und Gründungsmitglied Dr. Johannes Correll weiter. Nach seinem jahrelangen, unermüdlichem Einsatz für unseren Verein und die Menschen, die dahinter stehen nimmt er Abschied vom aktiven Wirken für unseren Verein und tritt von seinem Amt zurück. Hierzu richtet er die anliegenden persönlichen Worte an uns.

Wir danken Johannes Correll herzlich für seine langjährige Verbundenheit, seine Unterstützung und sein Engagement, freuen uns aber, dass er bereits angekündigt hat, bei unserer nächsten Familientagung als Gast teilzunehmen, so dass eine gebührende Verabschiedung für uns alle möglich ist.

Nachfolgend findet ihr seinen Brief:

Liebe IGAler, liebe Eltern,

ich habe mich fast 40 Jahre beruflich ganz überwiegend um
Kinder und Jugendliche mit seltenen Erkrankungen kümmern
dürfen. Meine Verbindung zur IGA besteht von Anfang an, ja
bereits bei der Gründung war ich dabei. Diese Verbindung ist
immer enger geworden und hat mir viele für mein Leben
wichtige Begegnungen geschenkt. Während meiner Arbeit in
der Klinik und später dann in der Praxis habe ich immer viele
Kinder und Jugendliche mit AMC gesehen und betreut. Eine
große Anzahl von euch kenne ich aus der frühen Säuglingszeit,
manche sogar aus der Zeit vor eurer Geburt.

Bei euch allen möchte ich mich für die vielen vertrauensvollen
Begegnungen von ganzem Herzen bedanken. Es waren nicht
immer leichte Begegnungen, oft haben wir darum gerungen,
wie man einen gegebenen Zustand verbessern und damit das
Leben des Kindes erleichtern kann. Ich habe mich immer
bemüht, einen optimalen Weg für euch, die Betroffenen zu
finden. Dass wir unsere gemeinsamen Vorstellungen von einem
möglicherweise nicht eingeschränkten Leben nicht immer
verwirklichen konnten und können, bedrückt mich immer noch.
andererseits haben wir gemerkt, dass viele kleine Schritte,
verbunden mit großer Erfahrung, uns immer wieder
weitergebracht haben.

Für mich waren die Begegnungen mit den Eltern, die ihre meist
kleinen Kinder zu mir brachten, ganz besondere Erlebnisse, die
mich emotional immer sehr berührt haben und mich auch jetzt
noch in der Erinnerung nicht loslassen. Die Sorgen und Ängste
der Eltern habe ich sehr wohl verstanden und mich immer
bemüht, ehrlich mit ihnen zu sprechen und gemeinsam die
jeweils bestmögliche Lösung zu finden. Dass meinem Team
und mir so viele Eltern das Vertrauen ausgesprochen haben
und ihre Kinder anvertraut haben, ist für mich das größte
Geschenk, das ich in meiner beruflichen Laufbahn habe
erleben dürfen. Es war aber nicht nur das größte Geschenk,
sondern auch die größte Verpflichtung für mich.
Bei den jährlichen Treffen mit AMC-Betroffenen, die nunmehr
seit gut 40 Jahren zur schönen alljährlichen Routine geworden
sind, habe ich viele Menschen kennengelernt, vor denen ich mit
größter Hochachtung meinen Hut ziehe.
Es hat mich unglaublich beeindruckt, mit welchem Lebensmut,
welcher Kraft, aber auch Fröhlichkeit die Kinder sich ins Leben
gekämpft haben. Sie haben eventuelle Operationen, die oft
schmerzhafte Behandlung, die Versorgung mit Hilfsmitteln und
natürlich ganz besonders die Einschränkungen, die die
Behinderung mit sich bringt, auf sich genommen.

Für mich waren diese fast 5 Jahrzehnte währende Zeit etwas
unendlich Wertvolles, das ich nicht missen möchte. Ich möchte
mich bei euch allen von ganzem Herzen vor allem für das
Vertrauen, dass ihr mir geschenkt habt, bedanken. Ich hoffe,
dass ich euch nie wirklich enttäuschen musste.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Behandlung der AMC
weitere Fortschritte macht. Die Humangenetik, die
kinderorthopädische Erfahrung und die verbesserten
Operationstechniken werden euch dabei helfen. Aber das
Wichtigste ist, dass ihr, beziehungsweise eure Eltern
Therapeutinnen und Therapeuten findet, die profunde
Kenntnisse von der AMC haben. Genauso wichtig ist es jedoch,
dass sie Verständnis für eure Sorgen und ein grosses Herz für
euch haben.
Auch weiterhin würde ich mich sehr über Nachrichten zu
Eheschliessungen, Geburten und beruflichen Erfolgen freuen.


In tiefer Verbundenheit,
euer

Johannes Correll

Aschau, April 2026